Sonntag, 9. April 2017

Loslassen befreit




Wenn wir etwas Loslassen sollen, kommt oft Unbehagen auf. Es bedeutet, sich von etwas zu trennen, was uns lieb und teuer oder einfach lange Zeit vertraut ist. Und sich von etwas zu trennen, bedeutet Trauer. Traurigkeit wiederum wollen wir nicht in unser Leben einladen. Wenn sie uns schicksalhaft ereilt, wie etwa durch einen Unfall oder unvorhergesehene Ereignisse, dann müssen wir sie hinnehmen und diese Beklemmung fühlen. Aber eine bewusste Entscheidung, traurig zu sein, treffen die wenigsten gerne.


Kästchen bild loslassen
Kästchenbilder Loslassen
 

 


Loslassen und Trauer gehören zusammen

Wenn wir etwas loslassen wollen, dann rechnen wir damit, dass wir traurig sein werden. Und da wir nicht traurig sein wollen, lassen wir folglich nur schwer los. Bei positiven Ereignissen, ist das ja noch nachvollziehbar:

  • Wir sind gerne mit bestimmten Personen zusammen, weil sie uns so gut tun,
  • wir genießen das Essen in einem guten Restaurant,
  • wir arbeiten gerne in unserem Beruf,
  • oder wir singen gerne im Chor.
 

Fällt nun eines dieser wunderbaren Ereignisse aus, dann sind wir traurig. Wir können es nicht fassen, dass sich unser Chor auflöst, oder dass unser Lieblingsrestaurant in einen anderen Stadtteil umzieht. Wir werden melancholisch und halten die Erinnerungen so fest, dass wir vergessen, was jetzt um uns herum passiert. Wir gleiten gefühlsmäßig in die Vergangenheit und erinnern uns an Positives, nur um die Trauer, die jetzt gerade da ist, nicht fühlen zu müssen. Warum? Weil Trauer so unangenehm ist und wir sie nicht haben wollen.  

So weit so gut. Aber warum halten wir dann auch an schlechten Bedingungen fest? Wir dürften doch nicht traurig sein, wenn wir negative Gewohnheiten aufgeben, sondern müssten uns eigentlich freuen. Und trotzdem:

  • Wir verharren in unbefriedigenden Beziehungen,
  • üben einen nervigen Job weiterhin aus,
  • behalten längst zerbrochene Erinnerungsstücke wie einen Schatz,
  • rauchen weiter, obwohl wir wissen, dass es unserem Körper schadet,
  • wir essen ungesunde Lebensmittel, selbst wenn wir längst zu dick sind,
  • oder wir halten an negativen Gefühlen fest. 

All diese Situationen sind zwar nicht gut für uns, aber wir können uns trotzdem nicht daraus lösen. Warum diesmal? Weil uns das Gefühl vertraut ist. Wir sind mit den negativen Emotionen genauso verbunden wie mit positiven. Unser Gemüt hat sich langsam aber stetig daran gewöhnt, und das wollen wir nicht einfach so aufgeben. Denn aufgeben bedeutet, wir müssen es loslassen, wir müssen uns von einem Teil von uns trennen und diesen unwiederbringlich von abstoßen. Es fühlt sich an, als sterbe ein Teil von unserem Ich. Das wiederum bedeutet Trauer. Und die wollen wir nicht haben. Wir verschieben also das Loslassen in die Zukunft. Wir lassen einfach später los, nehmen später ab, hören später mit dem Rauchen auf, trennen uns nächstes Jahr von unserem Partner… und verhindern somit die Traurigkeit. Das trennt uns vom Jetzt und wir können nicht loslassen.

 

Trauer willkommen heißen

Wenn wir uns das bewusst machen, dann können wir leichter eine Situation oder einen Menschen loslassen. Wir müssen uns klar machen, dass wir zunächst traurig sein werden. Wir müssen die Trauer fühlen und dann zusammen mit dem Objekt, dem Gedanken, der Person loslassen. Wir dürfen ruhig traurig sein, wenn wir einen Teil von uns aufgeben.

Es ist kein Problem, traurig zu sein, wenn wir nicht mehr rauchen, schließlich hatten wir mit den Zigaretten immer eine Stütze griffbereit, die uns sofort entspannt hat oder die uns aufgelockert hat, uns die Langeweile vertrieben hat und so weiter. Etwas, das ein Teil von uns war, verschwindet. Da ist es klar, dass wir traurig sind. Das ist jedoch nichts Schlechtes.

Also ist es sinnvoll, sich vor dem Loslassen darauf einzustellen, dass wir traurig sein werden, bevor der eigentliche Prozess des Loslassens beginnen kann.

 

Sich Zeit nehmen

Loslassen können wir nicht sofort oder von heute auf morgen. Wir sollten uns klar machen, dass es einige Zeit dauern kann, bis wir so weit sind. Da es etwas zeitaufwändiger ist, sich mit den belastenden Dingen zu beschäftigen und sie dann loszulassen, als beispielsweise eine Gewohnheit einfach beizubehalten, schrecken wir vor dem Loslassen eher zurück. Aber: mit der Zeit bekommen wir ein Gespür für Gefühle und Situationen, die uns nicht gut tun und der Loslass-Prozess beginnt früher und dauert nicht mehr so lange. Es lohnt sich also, den Zeitaufwand am Anfang zu investieren. Mit der Zeit gelingt es dann immer besser und schneller und wir sagen uns: Das hätte ich schon viel früher tun sollen!

 

Wie kann Loslassen gelingen?


1.    Annehmen, was ist 


Der erste Schritt in Richtung Loslassen ist das Bewusstmachen der aktuellen Situation.

Was ist das genau, was ich da loswerden will? - Ein Gefühl? Eine Sehnsucht? Eine unerfüllte Liebe? Erinnerungen an einen lieben verstorbenen Menschen? Schlechte Gefühle, weil mein Job so mies ist? Streitereien in der Ehe oder mit dem Teenagersohn? Angst oder Wut? Hass? Schuldgefühle?  

Das, woraus wir uns befreien wollen, müssen wir möglichst genau benennen.

 

Ein Beispiel:

Frau K. fühlt sich in ihrer Ehe nicht mehr wohl. Wenn sie mit ihrem Mann spricht, dann hat sie immer das Gefühl, er hört ihr nicht zu. Außerdem kritisiert er sie ständig. Trotzdem wirft ihr Mann Frau K. vor, sie würde ihn kritisieren. Sie streiten immer wieder über die gleichen Themen und Frau K. hat das Gefühl, die Ehe ist vorbei, weil Herr K. sie nicht mehr beachtet. Wann immer die zwei zusammen sind, beschleicht Frau K. eine Beklemmung, die sie davon rennen lässt. Und diese Beklemmung möchte Frau K. loswerden. Sie möchte sich trennen oder eine Eheberatung machen.

Aber egal, wie sie sich entscheidet, das wichtige ist, zu erkennen, dass sie die Beklemmung in sich fühlt. Sie fühlt diese Enge in der Brust, den Schmerz, die Tränen, die es ihr manchmal in die Augen treibt, die emotionale Kälte und das Unglücklichsein über all das.
 

Wir müssen die Situation dazu erst einmal annehmen wie sie nun mal ist. Wie das Annehmen besser gelingen kann, habe ich in einem anderen Artikel bereits ausführlicher beschrieben. Annehmen was ist - aber wie

 

2.    Mit der Angst vor dem Loslassen umgehen 


Als nächstes wird sich vielleicht eine gewisse Angst breit machen. Was wohl geschieht, wenn wir A oder B loslassen? Wir verlieren einen Teil von uns und davor haben wir Angst. Wir wissen ja nicht wie sich die Situation nach dem Verlust anfühlen wird. Wird da Leere sein? Oder wie lange hält die Trauer an? Es tauchen wieder jede Menge Fragen auf, die wir nicht beantworten können. Und da wir es vielleicht nicht gewöhnt sind, in uns hineinzuhören, kommen die Antworten auch nicht sofort in unser Bewusstsein.
 
Es dauert nun einige Zeit. Zeit, die wir sinnvoller verbringen könnten, beispielsweise damit, uns abzulenken und somit das Problem einen weiteren Zeitraum lang zu betäuben. Doch es lohnt sich zu warten. Denn: das Problem, das schlechte Gefühl, der Streit oder alles, was wir loswerden wollen, wird wieder kommen. Zwar gibt es Probleme, die sich mit der Zeit in Luft auflösen, aber in der Regel kommen immer wieder die gleichen Probleme auf uns zu, wenn wir uns nicht von der Ursache lösen. Es macht also Sinn, vor der Angst nicht zurückzuschrecken, sondern sie als Teil des Loslassens zu betrachten. 
 
Wir sollten alles wahrnehmen, was im Zusammenhang mit dem Loslassen auftaucht. Zieht es uns weg von dem Problem? Wollen wir uns lieber ablenken? Besteht der Drang, die Sache aufzuschieben und es ein anderes Mal zu versuchen – morgen vielleicht? Haben wir Angst in ein Loch zu fallen oder eine Leere fühlen zu müssen, die wir nicht haben wollen?  

3.    Loslassen 


Der letzte Schritt ist das Loslassen selbst. Wir können es jetzt sofort versuchen. Wir müssen uns nur fragen, ob wir dazu bereit sind.
 
Bin ich bereit, jetzt loszulassen?

Egal, ob wir innerlich mit Ja oder Nein antworten, allein die Frage löst in uns den Antwortprozess aus. Wenn wir nicht bereit sind, dann können wir die Übung für heute beenden und es morgen noch einmal versuchen. Wir können uns aber auch solange damit beschäftigen, bis wir plötzlich alles bewusst vor uns sehen und das Loslassen von alleine kommt. Es ist nur eine Frage der Zeit. Funktionieren wird es auf jeden Fall. Wir müssen uns nur die Zeit geben, die es braucht. Je öfter wir es probieren, umso schneller stellt sich der Erfolg ein.  

Und am Ende werden wir befreit sein, erleichtert aufatmen und uns fragen: „Warum habe ich das nicht schon früher versucht?“
 

Die Befreiung fühlt sich unendlich an


Der Moment in dem wir erkennen, dass wir etwas losgelassen haben, ist unglaublich befreiend. Wir kommen zurück zu unserer Mitte und bleiben in  diesem inneren Frieden. Es stellt sich eine tiefe Ruhe ein. Wenn wir einmal diese Erfahrung gemacht haben, dann stellt sich der Erfolg beim nächsten Versuch viel schneller ein und wir gewinnen zusätzliches Vertrauen in uns selbst. Dadurch wird das Selbstbewusstsein gestärkt und wir fühlen uns motiviert, noch mehr Belastendes loszulassen.
 
Mit der Zeit erkennen wir schlechte Gefühle schon  in ihrer Entstehung und können viel früher gegensteuern, so dass insgesamt eine ausgeglichene Stimmung in uns herrscht.
Loslassen lohnt sich.
 




           























Wunschmeditation

 


 

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