Sonntag, 13. August 2017

Gedanken loslassen mit inneren Bildern


Unser Gedankenkarussell dreht sich manchmal ununterbrochen. Eine Pause kann wie ein Segen wirken, einfach, weil wir uns für kurze Zeit befreit fühlen. Wer regelmäßig meditiert, kennt die Vorteile, die das Loslassen oder Einfach-Sein-Lassen der Gedanken mit sich bringt. Wir sind nicht gezwungen, einen Gedanken weiterzuverfolgen, sondern wir können ihn einfach wahrnehmen und dann ziehen lassen.



 
Da das häufig erst nach einigem Üben gelingt, möchte ich heute mal eine einfachere Möglichkeit vorstellen: das Loslassen der Gedanken mithilfe innerer Bilder. Das Ganze ähnelt einer Meditation, muss aber nicht zwingend den gleichen Charakter haben. Wir können das auch ohne Meditation ausführen, zwischendurch, wo immer wir uns gerade befinden. Es genügt ein kurzer Moment des Innehaltens.

 

Ziel: den Gedanken loslassen

Loslassen soll hier nicht bedeuten, dass wir den Gedanken vergessen oder gar verdrängen sollten. Es geht lediglich darum, den Gedanken zu beobachten und NICHT weiter zu folgen, damit wir nicht ins Grübeln kommen. Der Gedanke taucht auf und wir nehmen ihn wahr, wir nehmen ihn an, aber wir denken ihn nicht weiter. Wenn es sich um einen problematischen Gedanken handelt, scheint dieses Vorgehen mitunter schwierig, aber es lohnt sich, das einmal auszuprobieren. Denn nicht immer, wenn wir ins Grübeln geraten ist das auch zielführend.
Dabei müssen wir nur darauf achten, dass wir den Gedanken nicht verdrängen. Einen Gedanken zu verdrängen würde bedeuten, dass wir versuchen, ihn nicht zu denken oder ihn durch einen anderen, positiveren Gedanken zu ersetzen. Das wollen wir nicht tun. Der Gedanke muss schon ins Bewusstsein rücken. Der einzige Unterschied ist: wir verfolgen ihn nicht weiter, sondern lassen ihn ziehen. Und genau hierfür eignen sich die inneren Bilder, von denen ich euch nun einige vorstelle.
 

Gedanken ziehen lassen – das Aquarium

Stell Dir ein Aquarium vor, in dem sich viele bunte Fische tummeln. Ein Meerwasseraquarium eignet sich am besten. Stell dir also vor, du beobachtest nur die Fische, die Wellen und die Bewegungen der Pflanzen in der Strömung. Nichts steht still, alles ist ständig in Bewegung. Konzentriere dich ganz auf das Geschehen in dem Becken.
Sobald du bemerkst, dass deine Aufmerksamkeit abschweift, hole dich sanft zurück zu den Fischen und dem Geschehen im Aquarium. Es wird der Punkt kommen, an dem du nicht nur bemerkst, dass du abschweifst, sondern du wirst bemerken, welcher Gedanke dich aus dem Geschehen heraus gerissen hat. Denke den Gedanken zu Ende. Versuch dabei, die Rolle des Beobachters einzunehmen. Denke den Gedanken bewusst, dadurch nimmst du ihn an. Wenn du soweit bist, dann stell dir vor, wie der Gedanke sich in einem Wort zusammenfassen lässt und als Fischfutter in das Aquarium fällt, wo sich sogleich die Fische darüber stürzen und ihn auffressen. Weg ist er.
Wenn dir der Gedanken mit dem Futter nicht zusagt, kannst du dir auch vorstellen, wie sich der Gedanke in einen schönen Fisch verwandelt und anschließend einfach wegschwimmt.
 

Gedanken ziehen lassen – der Herbstwald

Stell dir vor, du gehst in einem Laubwald spazieren. Es ist kühl und erholsam, mit jedem Schritt knackst es unter deinen Füßen. Über dir tanzen die Blätter der Bäume im Wind, das Rauschen dringt wie Musik in deine Ohren. Es duftet nach Pilzen und etwas moosig.
Atme den wunderbaren Waldduft ein paar Mal tief ein, bis sich deine Brust ganz weit und frei anfühlt. Sobald du dich mit dem Wald verbunden fühlst, wirst du bemerken, wenn deine Gedanken abschweifen und du ins Grübeln gerätst. Nimm diese Gedanken, die dich aus dem Waldgeschehen herausreißen, bewusst wahr und denke sie kurz weiter. Dann stell dir vor wie du sie auf ein buntes Herbstblatt legst und sie am Baum noch eine Weile bestehen. Sobald der nächste Windstoß kommt, wird das Blatt mit samt dem Gedanken vom Baum geweht und verfliegt. Kehre zurück zu den Farben, Formen und Gerüchen des Waldes und freue dich, dass du den Gedanken für den Moment losgeworden bist.
 

Eigene Bilder erstellen

Es gibt viele Möglichkeiten, Gedanken auf diese Weise loszulassen. Wichtig sind nur die drei Schritte:
1.       Konzentration auf ein inneres Bild
2.       Bemerken, wann ein Gedanke auftaucht und diesen annehmen
3.       Den Gedanken in das Bild integrieren und das Bild so verändern, dass der Gedanke verfliegt
 Da wir alle unterschiedliche Fantasien haben, spricht den einen das Bild mit dem Aquarium mehr an, den anderen das Bild mit dem Wald. Aber auch andere Bilder können sehr gut funktionieren, wichtig ist nur, dass es sich um ein bewegtes Bild handelt. Wenn wir es gewohnt sind, diesen Trick zu nutzen, fallen uns viele weitere Beispiele ein. Um den Einstieg zu erleichtern, hier noch ein paar Anregungen:
-          Eine Ameisenstraße, auf der die Tiere die Gedanken wegtragen wie Blätter
-          Die Leinwand, auf der im Abspann die Gedanken durchs Bild fließen wie die Namen der Schauspieler
-          Wolken am Himmel
-          Luftballons, die mit Helium gefüllt sind und beim Loslassen in die Luft steigen
-          bunt schillernde Seifenblasen
-          ein Kofferfließband am Flughafen
-          eine Wasserrutsche
 
Wenn wir auf diese Art versuchen, unsere Gedanken nicht einfach unbewusst zu denken, sondern sie ganz bewusst wahrzunehmen und loszulassen, werden wir bald merken, dass auch in schwierigen Situationen die Gedanken viel schneller verfliegen und wir nicht mehr so schnell in Stress geraten. Sobald wir merken, dass uns ein Gedanke gerade ganz bewusst geworden ist, dann können wir ihn in ein solches inneres Bild integrieren und fliegen lassen. Je mehr solcher Bilder uns zur Verfügung stehen und je öfter wir das üben, umso schneller kommen wir in Zeiten des Grübelns zur Ruhe.





 
           




























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