Sonntag, 3. September 2017

Gewohnheiten abschütteln



Vertraute Verhaltensweisen lassen sich nicht so einfach abschütteln. Jeder Morgenmuffel kennt das: Man nimmt sich abends beim Zubettgehen vor, morgen früh etwas mobiler in den Tag zu starten, aber wenn der Wecker dann zum ersten Mal klingelt, dreht man sich gewohnheitsmäßig einfach wieder um, damit man noch zehn Minuten vor sich hin dösen kann. Genauso verhält es sich mit den guten Vorsätzen zum neuen Jahr. Solange die Motivation groß genug ist, halten wir ein paar Tage durch, doch sobald eine schwierige Situation eintritt, schleicht sich das alte Muster schnell wieder ein.


 

Gewohnheiten lassen sich nicht so einfach wegwerfen wie alte Gegenstände


Ein altes, ausgelesenes Buch landet schnell im Müll und ist vergessen, selbst wenn wir Erinnerungen damit verbinden. Mit dem Entsorgen in die Tonne, ist das Buch weg.

Bei Gewohnheiten verhält sich das leider etwas anders. Eine eingeübte Verhaltensweise läuft quasi automatisch ab. Wir denken nicht bewusst darüber nach. Unser Gehirn lenkt unser Tun einfach in die gewohnte Bahn. Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir sehr bewusst sein und viel Energie aufwenden. Diese Energie steht uns aber nicht automatisch zur Verfügung. Wir müssen sie erst aufladen. Wollen wir uns verändern, müssen wir uns zunächst immer anstrengen, und zwar immer zusätzlich zu dem, was wir sowieso zu tun haben. Allein die Tatsache, dass wir uns bewusst immer wieder an unser Vorhaben erinnern müssen, kostet Kraft. Diese Energie fließt viel leichter in die zwar ungeliebte, aber eben vertraute Verhaltensweise.

Der erste Schritt zur Veränderung ist daher die Bewusstwerdung.

 

Altes bewusst machen


Zunächst ist es daher sinnvoll, unsere Motivation zu verstehen und anschließend zu verstärken.

Verstehen heißt: Warum verhalte ich mich so und nicht anders? Welche Vorteile bringt mir diese Vorgehensweise? Was verbinde ich mit ihr? Was liebe ich daran?

Selbst wenn eine Gewohnheit scheinbar keine Vorteile mit sich bringt, gibt es doch immer etwas, was uns lieb und teuer daran ist. Sie hilft uns vielleicht, entspannt zu bleiben oder in schwierigen Situationen schnell zur Ruhe zu kommen. Oder wir fühlen uns einfach vertraut damit und wollen Energie sparen. Wir haben noch kein konkretes Ziel vor Augen und belassen es beim Alten.

Eine Gewohnheit zu verändern kostet Disziplin und Fleiß. Dies bringen wir nur auf, wenn die Motivation stimmt. Sonst bleiben wir hängen.

 

Gewohnheiten wechseln wie den Job


Wer seinen Job wechseln möchte, muss auch etwas dafür tun.

Als erstes stellen wir fest: dieser Job macht mir keinen Spaß mehr. Er ist zu langweilig, zu anstrengend, zu unterbezahlt, zu …

Wir haben einen ersten Anhaltspunkt erhalten, nämlich DASS wir etwas verändern wollen.

Als zweites fragen wir uns: Warum macht mir die Arbeit keine Freude mehr? Haben sich die Aufgaben verändert? Passen die Werte des Unternehmens nicht mehr zu meinen persönlichen Werten? Haben sich die Kollegen verändert?

Dann fällt die Entscheidung: ich möchte mich verändern.

Als nächstes müssen wir uns Gedanken machen, was genau sich ändern soll. Soll sich nur der Arbeitgeber ändern? Oder der Arbeitsort? Oder möchte ich sogar eine neue Ausbildung machen, weil ich meine Fähigkeiten ausbauen will? Wo soll die Reise hingehen? Ein Ziel muss her.

Ist das Ziel klar, geht es an die Umsetzung. Wir suchen passende Stellen aus, schreiben Bewerbungen, führen Gespräche und verhandeln neue Konditionen. Am Ende stehen wir vor der Entscheidung: Will ich das jetzt wirklich machen? Bin ich bereit? Und schließlich fehlt nur noch eins: Der Startzeitpunkt. Am nächsten Monatsersten wird es ernst.

 

Den Plan auf die Veränderung anwenden


1.    Feststellen, was ist

Als ersten müssen wir uns bewusst machen, was uns an der gewohnten Verhaltensweise nicht mehr gefällt und warum wir uns verändern wollen.

Das kostet Zeit und Mühe, lohnt sich aber. Wir lernen uns besser kennen und können dafür sorgen, dass wir mehr zu dem werden, der wir wirklich sein wollen.

 

2.    Ein Ziel festlegen

Wenn es uns Ernst mit der Veränderung ist, dann sollten wir uns darauf vorbereiten, was wir erreichen wollen. Mit einem konkreten Ziel vor Augen, gelingt uns das besser, als wenn wir einfach drauf loslegen und bei der ersten Hürde das Handtuch werfen. Das Ziel hilft, uns immer wieder an unser Vorhaben zu erinnern. Wir können uns ausmalen wie es sein wird, wie wir uns fühlen werden, wie sich unser Leben verbessert. Wenn das Ziel sehr schwer zu erreichen sein wird, wie etwa ein bestimmtes Karriereziel oder ein Trainingsziel im Sport, der sollte sich ein Anfangsziel setzen sowie Zwischenziele mit sich selbst vereinbaren. Ein Anfangsziel sollte nach ca. drei Wochen bereits erreicht sein. Wir brauchen diesen Zeitraum in etwa, um eine neue Gewohnheit auch gewohnheitsmäßig ablaufen zu lassen.

 

3.    Einen Zeitpunkt festlegen und neue Gewohnheit parallel einführen

Zu einem bestimmten Zeitpunkt zu starten bietet einige Vorteile. Wir können uns zum Beispiel in Ruhe von unseren alten Gewohnheiten verabschieden und uns mit der Vorfreude in eine positive Grundstimmung versetzen. Wir können die neue Verhaltensweise schon einmal einstudieren, ohne Druck, das Vorgenommene auch schaffen zu müssen. Das erleichtert den Umstieg. Wir dürfen auch gerne noch die letzten Male unsere alten Gewohnheiten genießen. Und wir können die Zeit nutzen, um uns bewusst zu machen, dass wir vielleicht etwas angespannt oder gar traurig sein werden, sobald unser Leben eine neue Bahn nimmt.

An dieser Stelle können wir uns auch gut überlegen, wie wir uns selbst immer wieder an die neue Verhaltensweise erinnern können. Wollen wir zum Beispiel statt süßen Getränken nur noch Wasser trinken, dann hilft in den ersten Tagen ein Timer, der stündlich ein Wecksignal gibt. Die Zeitabstände werden dann verlängert, bis es am Ende gar nicht mehr nötig sein wird und wir automatisch zur Wasserflasche greifen statt die Cola zu suchen.
 

4.    Den ersten Schritt machen

Egal welchen Weg wir einschlagen wollen, der erste Schritt muss gemacht werden. So wie wir beim Jobwechsel die erste Bewerbung in den Briefkasten geworfen haben, ist der Anfang gemacht. Danach wird es leichter. Wichtig ist nur, dass ab dem Zeitpunkt X ausschließlich die neue Gewohnheit angewendet wird. Es gibt dann kein Zurück mehr. 
 

5.    Die Entscheidung unterstützen

Ist die Bewerbung abgeschickt, der erste Schritt also gegangen, dann sollten wir uns nicht umdrehen. Selbst wenn der neue Job nicht halten sollte, was er verspricht, es wird auf jeden Fall etwas aufregendes und Neues passieren, das wir willkommen heißen können. Zweifel sind an dieser Stelle nicht mehr förderlich. Sie gehören zu Punkt eins und werden idealerweise vor der Festlegung des Ziels schon ausradiert.

 

6.    Eigenlob nicht vergessen

Feiere deine Erfolge. Sich selbst lobend zu unterstützen hat nichts mit Egoismus zu tun. Wer in der Lage ist, sich seine kleinen Erfolge selbst anzuerkennen, bleibt länger am Ball und wird schneller zum Ziel kommen. Eigenlob stinkt nämlich nicht, sondern hilft einfach nur weiter. Vergessen wir das nie.

 

7.    Ziel erreicht – Und jetzt?

Wie wäre es, nach erfolgreicher Veränderung, das nächste Ziel in Angriff zu nehmen? Die Positivität, die entsteht, wenn wir etwas erfolgreich verändert haben, lässt sich leicht in andere Vorhaben transportieren. Somit wird vielleicht ein Prozess in Gang gesetzt, der unser ganzen Leben verändern kann, nicht nur einen kleinen Teil.

 

Eine Gewohnheit zu verändern ist wirklich nicht leicht. Wir können sie nicht einfach wegwerfen wie schimmeliges Brot, weil sie uns etwas gibt, auch wenn es nur Vertrautheit oder Sicherheit ist. Aber wenn wir uns bewusst machen, dass die Anspannung und Trauer, die wir beim Aufgeben empfinden werden, mit der Zeit vorübergehen wird, dann bleibt unser Ziel länger und intensiver vor Augen, wir sind bereit, die Anstrengungen auf uns zu nehmen. Am Ende bleibt das erhabene Gefühl, etwas sehr wertvolles für unsere Persönlichkeit erreicht zu haben. Es lohnt sich. Viel Erfolg!
 
 
          








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