Sonntag, 15. Oktober 2017

Midlifekrise: Plötzlich mittendrin


Alle Ziele erreicht? Sehr gut. Aber was jetzt? Es ist nicht so leicht zu erkennen, dass wir in einer Krise stecken. Wir wollen Glück erleben und gute Gefühle haben. Krisen sind da eher hinderlich. Wer braucht schon Krisen? Die werden lieber verdrängt. Doch spätestens Ende dreißig holt uns das Leben wieder ein und wir fragen uns: Ist das die Midlifecrisis?

 

Kästchen Bilder Midlifecrisis
Kästchenbild Midlifekrise


Midlifekrisen erleben doch nur Männer


Oder?

Ich dachte immer, die Midlifecrisis ist typisch für das starke Geschlecht. Die Männer machen einen auf stark, stehen mit beiden Beinen im Leben, treiben ihre Karriere voran, verdienen das Geld, ernähren die Familie. Dann, meistens schlagartig mit dem 40. oder 45. Geburtstag stehen sie vor ihrem Leben und fragen sich: War das alles? Ich bin doch ein Mann, ich will etwas erleben. Ich wollte doch immer einen Sportwagen fahren. Ich wollte doch als Kind so gerne ein Abenteurer werden. Ich wollte schon immer einmal etwas Verrücktes tun. Ich wollte doch … Und dann stellen sie fest, was sie bekommen haben: Der Sportwagen ist dem Kombi gewichen, das einzige Abenteuer im Leben eines Mannes ist der Gang durch die unergründlichen Gänge eines Supermarktes und das Verrückteste im Leben war, dabei zuzusehen wie der Sohn mit seinem gebrochenen Bein Kunststückchen auf Krücken hingelegt hat. Und das bitter verdiente Geld fließt in die Familienkasse.

Frauen haben es da leichter, könnten wir meinen. Die bekommen Kinder und fangen mit Mitte zwanzig schon an, ihr Leben in andere Bahnen zu lenken. Auch wer sich gegen Familie entscheidet, kommt scheinbar leichter mit den Tücken des Lebens zurecht. Frauen sind sowieso gezwungen, sich dem Rhythmus der Natur anzupassen. Ich denke da nur an den weiblichen Zyklus, der allmonatlich wie die Phasen des Mondes auf und ab schwingt. Frauen leiden meistens nicht so stark unter der sogenannten Midlifecrisis wie Männer, weil sie durch andere Schwierigkeiten schon früher im Leben darauf vorbereitet werden. Aber das heißt nicht, dass wir als Frau davor geschützt sind. Eine Krise in der Lebensmitte kann uns genauso hart treffen wie einen Mann.

 

Warnsignale erkennen


Wer die Signale rechtzeitig erkennt, der kann auf die Krise besser, schneller und früher reagieren. Die Midlifekrise trifft uns dann nicht so hart. Solche Warnsignale können sein:

-       Das Gefühl, Chancen verpasst zu haben und nun keine mehr zu bekommen

-       Schuldgefühle

(Ich bin Schuld am missglückten Lebensentwurf meiner Kinder. Ich bin schuld, dass mein Mann fremdgeht.  Ich bin Schuld an …) Wir sind an gar nichts Schuld, auch wenn uns das mancher Spiritualitäts-Kurs vermitteln will. Schuldgefühle untergraben nur unser Selbstbewusstsein. Schuldgefühle können uns aber bewusst machen, dass wir unseren Gemütszustand endlich selbst in die Hand nehmen müssen, denn das können wir beeinflussen.

-       Neid

Obwohl uns Neidgefühle bisher fremd waren, tauchen sie plötzlich auf oder wir werden uns ihrer bewusst. Die Nachbarn waren uns immer egal, aber jetzt, mit Ende dreißig stellen wir fest, dass wir gerne genauso glücklich leben möchten wie sie, es aber irgendwie nicht tun.  

-       Unzufriedenheit im Job, im Leben, in der Familie, nichts fühlt sich mehr richtig an 

-       Fragen tauchen auf: Soll das schon alles gewesen sein? Soll das jetzt noch 30 Jahre so weitergehen? Was soll der Sinn sein? 

-       Keine Ziel mehr, keine Träume, Fantasielosigkeit und das Ende der Sinnsuche

 

 

Bewusstes Durchleben der Krise erleichtert das Weiterkommen


Wenn wir erkennen, dass wir uns in einer Krise befinden, wollen wir das zuerst nicht wahrhaben. Denn: Krisenzeiten sind eben Regenzeiten. Alles ist grau, wir wollen nicht rausgehen, haben keine Lust auf Veränderungen und es scheint nie mehr besser werden zu wollen. Das will niemand bewusst erleben. Aber genau das sollten wir tun. Das bewusste Miterleben der Krise. Wenn wir erkennen und anerkennen, dass es uns schlecht geht, dann finden wir auch schneller eine Lösung. Andernfalls wehren wir uns gegen einen Zustand, den wir nicht haben wollen. Unsere Energie fließt in etwas, wogegen wir kämpfen. Wenn wir aber unsere Situation bewusst wahrnehmen wie etwa ein gebrochenes Bein, das wir auch nicht verleugnen können, dann schaffen wir es viel früher, die Schattenseiten in unser Leben zu integrieren und neue Wege zu gehen. Was ist so schlimm daran, sich einzugestehen: Ich bin nicht meiner Großen Liebe begegnet? Oder: Ich habe keine Ziele mehr.

Das Problem der Midlifekrise ist nicht die Krise an sich, sondern dass wir an einen Punkt in unserem Leben kommen, an dem wir mit Probleme gar nicht rechnen. Wir haben das Früher hinter uns gelassen und stehen plötzlich in der Zukunft. Alle unsere Träume haben sich erfüllt, unsere Ziele sind erreicht, alle Leitern sind erklommen – von Geld über Partner hin zur Familie und einem gemütlichen Heim. Wir wissen nicht genau, was jetzt noch kommt. Und das macht uns Angst. Wir haben Angst, dass nun alles so weiter geht wie im Märchen: … und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Wir wissen nicht mehr, wie man träumt oder sich neue Ziele setzt. Wir haben doch immer auf die Zukunft hingearbeitet und da kommt uns die Zukunft gar nicht recht. Denn sie ist da, diese vermaledeite Zukunft. Woraus sollen wir denn jetzt hinarbeiten?

Ich habe mich das jedenfalls gefragt. Aber bewusst ist mir das erst geworden, als ich mit der Nase darauf gestoßen wurde. Meine Zukunft ist eingetreten, ich habe Partner, Heim, Kinder, Geld und ein gutes Leben, kurz: alles, was ich mir gewünscht habe - mit Ende dreißig. Aber jetzt kriselt es in meinem Leben, weil mir die Ziele fehlen. Weil Ziele der Sinn des Lebens sind, weil sie mich aufrechterhalten, mich motivieren, morgens aufzustehen und weiterzumachen, aber plötzlich nicht mehr da sind. Doch seit mir das bewusst ist, fällt es mir viel leichter damit umzugehen. Die Krise ist jetzt etwas Normales. Diese Fragen gehören auch zum Leben. Und diese Wendepunkte. Seit mir bewusst ist, dass ich mich in einer Midlifekrise befinde, lebe ich viel entspannter. Die Suche nach der Befriedigung hat aufgehört, sie ist auf wundersame Weise sogar eingetreten. Ja, ich bin trotz Krise irgendwie zufriedener als zuvor. Ich habe die Krise als Wendepunkt erkannt und freue mich jetzt darauf, mich da wieder heraus zu arbeiten. Aber es ist kein Kampf mehr, es ist jetzt ein Neuanfang.

 

Die Krise als Wende


Die Midlifekrise ist keine Einbahnstraße ins Alter. Wir müssen nicht tagein tagaus im Hamsterrad bleiben bis wir alt und grau sind. So viel habe ich erkannt. Ich habe versucht, mich an meine Mutter zu erinnern. Und ihr kam in der Lebensmitte im Wahrsten Sinne des Wortes „die Wende“ zugute. Als 1989 die DDR ihrem Ende entgegensah, stand meine Mutter auf ihrem Höhepunkt. Sie war damals Mitte Vierzig, die Kinder waren schon gezeugt, das Haus schuldenfrei, der Trabi längst bezahlt. Aber sie wurde vor das berufliche Aus gestellt. Ungewollt. Unerwartet. Gnadenlos. Doch das war die erzwungene Wende in ihrem Leben, die sie gut gemeistert hat. Sie hat nicht länger als Programmiererin gearbeitet, sondern in der Verwaltung noch einmal Karriere gemacht, sich bis zur Amtsleiterin hochgearbeitet und kann bald beruhigt in Rente gehen. Doch nicht jedem kommt in der Lebensmitte ein Schicksalsschlag entgegen. Wir sind zwar unzufrieden im Job, müssen uns da aber alleine heraus helfen. Und auch wer gekündigt wird, ist mit dieser erzwungenen Wende nicht glücklicher, verfällt in der Arbeitslosigkeit vielleicht sogar in Mutlosigkeit und kommt aus der Krise nicht mehr heraus. Doch eine Krise ist kein Ende, nur ein Wendepunkt. Wir müssen unsere Antennen in Richtung Neuanfang drehen, dann kommen wir auch wieder heraus. Schauen wir optimistisch in die Zukunft, lässt sich der negative Lebensabschnitt besser aushalten.
Die vielen Berichte anderer Frauen machen mir Mut, dass es noch jede Menge Möglichkeiten gibt, neue Träume zu leben.  
 
 

 

 
              










                     



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