Sonntag, 5. November 2017

Von Glück und Zufriedenheit

 

Glück wird überbewertet. Wir alle wollen glücklich sein, keine Frage, aber das Streben nach dauerhaftem Glück scheint mir nicht sehr sinnvoll zu sein. Ist es nicht eher so, dass Glück uns in den Schoß fällt, wenn wir es am wenigsten erwarten?

 
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Von Glück und Zufriedenheit


 

Glück taucht einfach auf


Meine glücklichsten Momente sind die, in denen ich plötzlich spüre: So könnte es ewig weitergehen. Ein guter Moment hallt lange nach und ich erinnere mich immer wieder gerne daran. Ich hatte diesen Augenblick nicht gesucht und doch wurde er mir geschenkt. Zum Beispiel neulich Abend als ich müde und kaputt am Abendessen-Tisch saß und keinen Antrieb hatte, den liebevoll gedeckten Tisch wieder abzuräumen.

„Puh, ich bin so fertig von diesem Tag, ich wünsche mir eine Fee, die den Tisch abräumt.“

Kaum hatte ich den Satz wehleidig ausgesprochen, klopfte mir mein kleiner Sohn auf die Schulter und entgegnete:

„Lass Mama, bleib einfach sitzen.“

Und er, der sonst nur seinen Teller und Besteck in die Küche stellt, fing an, den Tisch leer zu räumen. Er hat sogar alles in die Spülmaschine eingeräumt und die Lebensmittel in den Kühlschrank einsortiert. Da war ich nicht nur stolz wie eine Mutter es nur sein kann, sondern soo glücklich. Dieser Moment, diese Zufriedenheit, dieses Glücksgefühl war so heilsam. Das Beste daran war: er war ein Geschenk, ich hatte nicht danach gesucht. Das Glücksgefühl tauchte einfach auf.

 
 

Das Glück zu suchen kann unglücklich machen


Solche Gefühle entstehen kaum, wenn ich danach suche. Wenn ich versuche, glücklich zu sein, wenn ich es gerade nicht bin, dann scheitere ich oft. Ich wüsste zwar Aktivitäten, die mich aufbauen würden, aber selbst wenn ich die dann anfange, bleibe ich in der Unzufriedenheit stecken. Das Glücksgefühl stellt sich nicht sofort ein und ich denke: das bringt doch jetzt nichts. Das Glück taucht einfach nicht auf, und wenn dann nur für einen kurzen Moment, ehe es sich wieder zurückzieht. Versuche ich in solchen Stunden, glücklich zu sein, bin ich am Ende noch frustrierter. Meine innere Stimme hatte mir suggeriert: Es ist nicht richtig, jetzt unglücklich zu sein, du hast doch alles, das Wetter ist schön, deine Kinder machen dir Freude, es ist genug im Kühlschrank, die Heizung funktioniert. Aber ich kann manchmal weder Dankbarkeit, noch innere Ruhe entwickeln, obwohl alle Voraussetzungen erfüllt wären. Einfach nicht da.

Der krampfhafte Versuch, schlechte Gefühle um jeden Preis loswerden zu wollen, zieht mich noch weiter runter.

 

Zufriedenheit entdecken


Wenn ich mir erlaube, mich den schlechten Gefühlen hinzugeben, kommt etwas ganz anderes zum Vorschein: Zufriedenheit und innerer Frieden. Sobald ich merke: Ok, ich bin gerade mies drauf, aber es macht mir nichts aus, sondern es ist eben so, dann entsteht eine ganz andere Art von Glück, nämlich dass ich auch ohne Dauergrinsen bleibe, wo ich bin, wer ich bin, was ich sein will. Seit ich nicht mehr versuche, dem Glück hinterherzujagen, bin ich gelassener geworden. Ich gönne mir dann eine Pause und gebe mich meinen Stimmungen hin. Dabei hilft mir das Schreiben. Das verhält sich wie beim Reden. Während man über etwas spricht, verändert sich das Gefühl, es verblasst, vergeht, obwohl ich nichts weiter getan habe, als es in Worte zu fassen. Da ich aber nicht gerne über alles jammere oder mich beschwere, schreibe ich auf, was mich belastet. Auch das wirkt sehr heilsam. Ich bin anschließend nicht glücklich im euphorischen Sinne, aber glücklich, weil sich alles nur noch halb so schlimm anfühlt. In mir drin ist es ruhig geworden. Das Ich-muss-gut-drauf-sein-Gefühl hat sich gewandelt in Ich-bin-wie-ich-bin. Das hat eine ähnlich Wirkung wie eine Affirmation, es schafft Erleichterung. Das Denken des Satzes ‚Ich bin gerade nicht glücklich‘ lässt viel Ballast von mir abfallen. Es wirkt wie eine reinigende Dusche, weil es die Wahrheit wiederspiegelt. Die Wahrheit meiner Gefühle zu erkennen und anzuerkennen bewirkt die innere Ruhe, die ich mir dauerhaft wünsche. Die will ich festhalten. Das fühlt sich am Ende an wie wahres Glück.

  

Glück wird überbewertet


Einmal erlebt, lässt sich innere Ruhe viel leichter herstellen als das Glück, von dem alle reden. Diese Zufriedenheit in sich zu entdecken ist das wonach viele Streben, wenn sie von Glück sprechen. Glück wird aus meiner Sicht überbewertet, denn Glück ist ungleich Zufriedenheit.

 
Glück ist das Erleben starker positiver Gefühle.

Unglück ist das Erleben starker negativer Gefühle.

Der Frieden ist immer in der Mitte.
 

Dauerhaftes Glück kann es nicht geben, weil es mit positiven Gefühlen assoziiert wird. Aber nichts ist immer nur gut. Erst das schlechte Erleben macht das Glück zu etwas Gutem. Der Fokus müsste auf der inneren Ruhe und dem inneren Frieden liegen, damit man einen bleibenden und wünschenswerten Zustand erreicht. Denn nur diese Mitte kann dauerhaft zur Zufriedenheit führen. Ist es nicht das, was sich alle wünschen? Ich jedenfalls sehe im inneren Frieden viel mehr Erstrebenswertes als nur im Glück. Glück ist nur eine Seite der Medaille. Wir müssen aber auch in der Lage sein, die Seite umzudrehen und dort ebenfalls etwas Wollenswertes entdecken können, damit uns die Medaille wertvoll erscheint.

 
 

Dieser Artikel ist mein Beitrag zur Blogparade zum Thema Glück auf Julies Reiseblog.

Was haltet ihr vom Glück?
 
 
 
 
 
   

Kommentare:

  1. Ein richtig schöner Beitrag! Vielen herzlichen Dank für deine persönlichen Einblicke und natürlich deine Teilnahme an meiner Blogparade!
    Alles Liebe
    Julie

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